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Kapitalismus-Reform jetzt!

Als Deutschland 1990 die Einheit feierte, schien der Kapitalismus gewonnen zu haben.

Heute kriselt er selbst. Es klingt weltfremd, wenn Marktliberale die alten Sprüche klopfen - Märkte scheitern gerade in solchen Krisen.

Sagen wir so: So richtig glücklich war das nicht, als Christian Lindner vergangenes Wochenende meinte, dass er mit seiner nunmehr geschassten Generalsekretärin ganz oft morgens zusammen den Tag begonnen habe.

Und dass das jetzt nicht so gemeint sei, wie "ihr denkt". Ups. Große Aufregung. Klar. Sexistisch.

Auf jeden Fall.

Das Irre an den heute gängigen Aufregungswellen ist nur der Kontrast zum relativen Desinteresse daran, was, sagen wir, der neue Generalsekretär der FDP auf demselben Parteitag darüber gesagt hat, wie er sich die Zukunft vorstellt.

Dabei könnte das ja darüber bestimmen, was (s)eine Partei macht, die in einem Jahr wieder regieren könnte (wenn sie das nach so einer Rede noch schafft), und was für die Zukunft des Landes potenziell mindestens genau so wichtig ist.

Was Generalsekretär Volker Wissing da am Wochenende mit ziemlich viel Verve vorgetragen hat, klang ein bisschen so wie gängige Reden aus dem internationalen wirtschaftspolitischen Mainstream vor 30 Jahren, als die Deutschen fast auf den Tag die Einheit begingen - die eine Art Symbol für den Siegeszug des Kapitalismus wurde: das Ende der Geschichte, wie der Politologe Francis Fukuyama etwas vorschnell diagnostizierte.

Und der Beginn von Zeiten, in denen der Kapitalismus nach Reagan und Thatcher den Turbo einschaltete, mit noch mehr Finanzmarktreformen und Deregulierung. Und wo irgendwie nichts als gut galt, was der Staat macht - und alles, was der Markt anstellt.

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Eine Kolumne von Thomas Fricke

30 Jahre deutsche Einheit: Für einen Kapitalismus mit Herz Foto: Soeren Stache / DPA