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Sorgen Fed-Entscheid und steigende Energiepreise für neue Bewegung?

Lübeck,  14.  November  2017:  Nachdem  die  Europäische  Zentralbank  (EZB)  über  die  Zukunft ihres  Anleihenkaufprogramms entschieden hat,  verlagerte sich die  Aufmerksamkeit über den großen Teich zur Federal Reserve (Fed). Dort wurde Anfang November bekannt gegeben, dass Jerome  Powell  neuer  Notenbank-Chef  wird.  Darüber  hinaus  könnte  es  im  Dezember  einen weiteren Zinsschritt geben.


Wie im Vorfeld erwartet, wird Jerome Powell im Februar neuer Präsident der US-Notenbank. Powell sitzt seit  2012  im Führungsgremium der Fed und  war  zuvor  lange  als  Anwalt in der Finanzbranche sowie  in  der  Finanzpolitik  tätig.  Von  ihm  wird  eine  Fortführung  der  Geldpolitik  der  bisherigen  Fed- Chefin Janet  Yellen erwartet.  Voraussichtlich  wird  er  im kommenden Jahr  – wenn die Erholung  der US-Wirtschaft anhält − den Leitzins leicht anheben und den billionenschweren Wertpapierbestand der Fed behutsam weiter abbauen.  
 
Zuvor  könnte  Janet  Yellen  im  Dezember  an  der  Zinsschraube  drehen.  Nachdem  die  Fed  Anfang November  den  Hauptzinssatz  bei  1,00  bis  1,25  Prozent  beließ,  erwartet  die  Mehrheit  der  Experten einen weiteren kleinen Zinsschritt im Zuge der letzten großen FOMC-Sitzung des Jahres. Eine solche Entscheidung könnte noch einmal für Bewegung im Zins- und Anleihenmarkt sorgen.  
 
Eine  Zinserhöhung  würde  von  überwiegend  positiven  US-Wirtschaftsdaten  gestützt  werden.  Zwar wurden  Anfang  November  Arbeitsmarktdaten  veröffentlicht,  die  leicht  unter  den  Erwartungen  lagen und gemischt aufgenommen wurden. Die US-Verbraucherpreise stiegen aber zuletzt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an und lagen damit sogar leicht über der angestrebten Zielmarke von 2,0 Prozent.
 
Auch bei der EZB steht Mitte Dezember noch eine Sitzung des geldpolitischen Ausschusses an. Ende Oktober hatte sie den vorsichtigen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik bekannt gegeben und angekündigt, das Volumen ihres Anleihenkaufprogramms ab Januar 2018 auf monatlich 30  Milliarden  Euro  zu  reduzieren.  Die  Laufzeit  wurde  bis  einschließlich  September  2018  festgelegt. Weitere  geldpolitische  Entscheidungen  vonseiten  der  EZB  werden  im  laufenden  Jahr  nicht  mehr erwartet.
 
Möglicherweise  könnte  die  Inflationsentwicklung  im  kommenden  Jahr  für  frischen  Wind  sorgen.  Im laufenden Jahr betrachtete  die EZB die Verbraucherpreise  durchgängig kritisch. Inzwischen steigen aber die Energiepreise wieder. Sie machen einen nicht zu unterschätzenden Anteil des Warenkorbs aus, aus dem die Verbraucherpreise berechnet werden und könnten die Inflation antreiben.  
 Jörg  Haffner,  Geschäftsführer  der  Qualitypool  GmbH,  ergänzt:  „Bisher  zeigen  sich  keine Auswirkungen  der  steigenden  Energiepreise  auf  die  Inflation  in  Deutschland  (Okt.:  1,6  %)  und  der Eurozone (Okt.: 1,4 %). Dies könnte sich in den kommenden Monaten ändern. Zu viel Euphorie sollte trotzdem nicht aufkommen. Denn sicherlich wird die Zentralbank auch in Zukunft die Kerninflationsrate − ohne die volatileren Energieträger und Lebensmittel – eng in ihre geldpolitischen Entscheidungen miteinbeziehen.“  
 
 
Entwicklung der Baufinanzierungszinsen:  
 
Die Bestzinsen für Hypothekendarlehen bewegten sich im Oktober leicht schwankend seitwärts. Nach 1,01 Prozent zu Monatsbeginn stiegen die Zinsen kurzzeitig auf durchschnittlich 1,09 Prozent. Gegen Ende  Oktober  kehrten  die  Zinsen  aber  wieder  auf  1,00  Prozent  zurück.  „Im  Vorfeld  des  EZB- Entscheids wurde viel spekuliert“, äußert sich Haffner zur jüngsten Zinsentwicklung. „Die Renditen der 10-jährigen  Staatsanleihen  zogen  an  und  einige  Bankpartner  erhöhten  ihre  Konditionen. Das  neue Anleihenkaufprogramm, für das sich die EZB entschieden hat, entspricht aber nur einem gemäßigten Ausstieg  aus  der  ultralockeren  Geldpolitik.  Daher  beruhigte  sich  das  Anleihen-  und  Zinsniveau  im Anschluss  an  die  EZB-Bekanntgabe  umgehend  wieder.  Nun  wird  die  Fed  wohl  noch  vor  dem Jahresende  einen  Zinsschritt  wagen.  Da  dieser  aber  erst  kurz  vor  der  Weihnachtspause  erfolgen kann, werden wir wohl erst in 2018 mögliche Auswirkungen auf die Zinsen sehen.“  
 
Für  Baufinanzierungsmakler  schätzt  Haffner  die  Situation  unverändert  ein:  „Das  Zinsniveau  passt nach  wie  vor.  Potenzielle  Haus-  und  Wohnungsbesitzer  haben  aber  gerade  in  Ballungsräumen  mit einem  extrem  niedrigen  Immobilienangebot  und  anspruchsvollen  Preisen  zu  kämpfen. Wir  hoffen daher  auf  eine  möglichst  schnelle  Regierungsbildung.  In  der  Folge  sollte  sich  die  neue  Regierung unbedingt  rasch  auf  eine  aktive  Unterstützung  des  Wohnungsbaus  und  der  potenziellen Eigenheimbesitzer einigen.“  
 
 
Tendenz:
 
Kurzfristig: schwankend seitwärts
Langfristig: steigend